Kunststoffgranulatverluste sind nicht länger nur ein operatives und reputationsbezogenes Risiko, sondern auch eine gesetzliche Verpflichtung und betreffen Unternehmen in der gesamten Kunststoffwertschöpfungskette.
Mit der Verabschiedung der Verordnung (EU) 2025/2365 hat die Europäische Union einen entschiedenen Schritt von freiwilligen Initiativen hin zu verbindlichen Verpflichtungen vollzogen. Null-Pellet-Verlust entwickelt sich vom Wunschziel zur gesetzlichen Pflicht.
Die Verordnung: Betroffene Unternehmen und Anforderungen
Kunststoffgranulate – klein, allgegenwärtig und leicht verlierbar – sind die drittgrößte Quelle unbeabsichtigter Mikroplastikfreisetzungen. Sie gelangen bei Produktion, Transport, Lagerung und Verarbeitung in Gewässer, verbleiben in Ökosystemen und gelangen schließlich in die Nahrungskette. Diese Verluste sind häufig nicht auf große Störfälle zurückzuführen, sondern entstehen bei Routinevorgängen im Umgang mit dem Material, was ihre Kontrolle besonders schwierig macht, da sie tief in den täglichen Betriebsabläufen verankert sind.
Die neue Verordnung schafft ein harmonisiertes, EU-weites, risikobasiertes System, das Unternehmen verpflichtet, Granulatverluste aktiv zu verhindern, zu überwachen und zu melden. Zudem stuft sie Granulatverluste von einem Umweltthema zu einer Rechtsfrage hoch und führt mögliche Sanktionen ein.
Betroffen sind:
- Hersteller und Verarbeiter
- Recycling- und Compoundieranlagen
- Logistik- und Transportunternehmen
- Lager- und Verpackungsstandorte
Jede Organisation, die jährlich mehr als 5 Tonnen Kunststoffgranulat in der EU bewegt, ist betroffen. Für große Betreiber (mehr als 1.500 Tonnen/Jahr) liegen die Anforderungen noch höher mit verpflichtenden Zertifizierungsanforderungen als Teil der Compliance.
Stufenweise Umsetzung
Grundlegende Anforderungen (Dezember 2025)
Die grundlegenden Anforderungen treten in Kraft und erfordern operative Veränderungen, Dokumentation und Rechenschaftspflicht. Unternehmen müssen:
- Granulatverluste in allen Betriebsbereichen verhindern
- Korrekturmaßnahmen bei Verlusten einleiten
- Mitarbeitende in Prävention und Reaktionsmaßnahmen schulen
- Verarbeitete und verlorene Mengen erfassen und melden
Erweiterte Anforderungen (Dezember 2027)
Die Anforderungen werden erheblich ausgeweitet:
- Formelle Risikomanagementpläne werden verpflichtend
- Meldung von Zwischenfällen an Behörden ist erforderlich
- Kennzeichnungs- und Informationspflichten treten in Kraft
- Zertifizierung gemäß Anhang I wird für große Betreiber verpflichtend
Branchenspezifische Erweiterung (Dezember 2028)
- Für Akteure des Seetransports gelten spezifische Pflichten
Die zentrale Herausforderung: Compliance operationalisieren
Auch wenn die Anforderungen konzeptionell einfach erscheinen, erfordert ihre Umsetzung standardisierte Verfahren über mehrere Standorte hinweg, Mitarbeiterschulungen und Verhaltensänderungen, prüfbare Nachverfolgungssysteme sowie die Einbindung der gesamten Lieferkette einschließlich Auftragnehmer und Logistikpartner.
Viele Unternehmen tun sich jedoch schwer damit, dies so in den täglichen Geschäftsbetrieb zu integrieren, dass es einer genauen Prüfung standhält.
Warum die OCS Europe-Zertifizierung zentral wird
Das OCS Europe-Zertifizierungssystem wurde von Plastics Europe, dem Verband der Kunststoffhersteller in Europa, und EuPC, dem Verband der europäischen Kunststoffverarbeiter, unter Anleitung und Aufsicht eines Multi-Stakeholder-Ausschusses entwickelt, dem politische Entscheidungsträger, Zertifizierungsstellen und Vertreter der Industrie angehören. Zusätzliche Empfehlungen wurden im Rahmen einer öffentlichen Konsultation eingeholt.
Die Verordnung (EU) 2025/2365 baut auf den Grundsätzen von Operation Clean Sweep (OCS) und dem OCS Europe-Standard auf und enthält direkte Verweise auf die OCS-Grundsätze und -Anforderungen.
Die OCS Europe-Zertifizierung bietet:
- Unabhängige Third-Party Verifizierung der Praktiken zur Vermeidung von Granulatverlusten
- Ein strukturiertes Framework, das auf sechs operativen Säulen basiert:
- Optimierung der Betriebseinrichtungen zur Verhinderung von Freisetzungen
- Dokumentierte interne Verfahren
- Schulung und Verantwortung der Mitarbeitenden
- Regelmäßige Audits
- Einhaltung gesetzlicher Anforderungen
- Einbindung der Lieferkette
Die Verordnung selbst hält fest, dass die Zertifizierung nach dem OCS Europe-Standard als geeignete Maßnahme zur Erfüllung der formellen Compliance-Anforderungen gilt – insbesondere für große Betreiber. Interne Systeme erfüllen häufig nicht die unter behördlicher Prüfung geforderte Standardisierung, Prüfbarkeit und externe Validierung. In der Praxis führt dies zu Lücken in der Dokumentation, Inkonsistenzen zwischen Standorten und Schwierigkeiten beim Nachweis der Compliance gegenüber Behörden – insbesondere in Umgebungen mit mehreren Standorten oder komplexen Lieferketten.
Die Zertifizierung ist daher nicht nur ein Qualitätssiegel, sondern:
- Ein Instrument zur Strukturierung von Risikomanagementsystemen
- Ein Mechanismus zum Nachweis der Compliance gegenüber Aufsichtsbehörden
- Ein Werkzeug zur Reduzierung von Umwelt- und Betriebsrisiken
Handlungsbedarf für Betreiber: Jetzt handeln, nicht später
Es besteht die verlockende Tendenz, 2027 oder 2028 als die eigentlichen Fristen zu betrachten. Das wäre ein Fehler.
Die grundlegenden Anforderungen (Schulung, Prävention, Nachverfolgung) erfordern eine bereichsübergreifende interne Abstimmung, eine Neugestaltung von Prozessen, kulturellen Wandel sowie eine externe Koordination mit Partnern.
Organisationen, die zu lange warten, werden mit verkürzten Zeitplänen, höheren Kosten und größeren Compliance-Risiken konfrontiert.
Empfohlenes Vorgehen: So setzen Sie Compliance um
Wenn Ihre Organisation Kunststoffgranulate handhabt, stellt sich jetzt die Frage: Wie schnell können Sie Compliance in die Tat umsetzen?
Ein pragmatischer Ansatz ist die frühzeitige Ausrichtung an einem anerkannten Framework. Die OCS Europe-Zertifizierung bietet einen strukturierten Weg:
- Sie übersetzt gesetzliche Anforderungen in handlungsfähige Prozesse
- Sie bietet Third-Party Validierung
- Sie hilft, den Betrieb gegen weiter steigende Anforderungen zukunftssicher zu machen
Wer den Zertifizierungsprozess jetzt beginnt, kann:
- Systeme schrittweise statt reaktiv aufbauen
- Lücken erkennen, bevor sie zu Haftungsrisiken werden
- Eine Vorreiterrolle gegenüber Aufsichtsbehörden, Kunden und Stakeholdern einnehmen
Laden Sie die OCS Europe-Zertifizierungsbroschüre herunter, um zu erfahren, wie sie Ihren Compliance-Ansatz unterstützen kann, oder kontaktieren Sie uns, um Ihren Status zu bewerten.